KI-Hebel & EBITDA4 Min. Lesezeit

Drei KI-Hebel mit direktem EBITDA-Beitrag. Ein VR-Entscheid.

Marco Quinter·29. März 2026

KI ist kein Pilotprojekt. Es ist eine Führungsentscheidung.

Viele Verwaltungsräte warten darauf, dass die Geschäftsleitung mit einem konkreten KI-Antrag kommt. Das ist die falsche Reihenfolge. Denn welche KI-Initiativen gestartet werden, welche Daten dabei genutzt werden und welche Kosten dabei anfallen: Das sind strategische Entscheide, keine operativen.

Und strategische Entscheide sind Sache des Verwaltungsrats.

Die Knight Gianella Studie 2025/26 zeigt: 95 Prozent der befragten VR-Mitglieder erwarten steigende KI-Anforderungen. Nur 7 Prozent sind mit dem aktuellen Kompetenzaufbau im Gremium zufrieden. Diese Lücke ist kein Kompetenzproblem. Sie ist ein Priorisierungsproblem.

Drei Hebel zeigen, wo KI in Schweizer KMU mit 50 bis 500 Mitarbeitenden direkten EBITDA-Beitrag liefert. Und warum das eine Entscheidung auf VR-Ebene verlangt.

Hebel 1: Vertriebskapazität ohne zusätzlichen Headcount

KI-gestützte Vertriebstools qualifizieren Leads, priorisieren Opportunities und erstellen Angebotsentwürfe. Ein Vertriebsmitarbeiter kann damit das Doppelte an Kontakten betreuen. Nicht weil er schneller arbeitet, sondern weil er die Routinearbeit abgibt.

Für ein KMU mit 10 Vertriebsmitarbeitenden und einem durchschnittlichen Umsatz von CHF 800'000 pro Kopf bedeutet das: Die gleiche Kapazität generiert mehr Umsatz. Ohne Einstellungen. Ohne Einarbeitungszeit. Ohne Fixkostenerhöhung.

Der VR-Entscheid: Welche Vertriebsprozesse werden zuerst automatisiert? Welche Kundendaten dürfen in externe KI-Systeme fliessen? Wer hat Freigabekompetenz für Tool-Entscheide dieser Grössenordnung?

Hebel 2: Wissensarbeit automatisieren

Angebotserstellung, Dokumentation, interne Berichte, Compliance-Abfragen: Das sind Tätigkeiten, bei denen Mitarbeitende heute 30 bis 50 Prozent ihrer Zeit verbringen. KI-Assistenten übernehmen diese Routinen in Minuten statt Stunden.

In einem Unternehmen mit 100 Mitarbeitenden und einem Anteil von 40 Wissensarbeitern bedeutet eine Zeiteinsparung von 20 Prozent: 8 Vollzeitstellen an Kapazität. Diese Kapazität kann für wertschöpfende Tätigkeiten genutzt werden. Oder die Headcount-Planung für die nächsten zwei Jahre sieht anders aus.

Der VR-Entscheid: Welche Wissensarbeits-Prozesse werden analysiert? Wer ist verantwortlich für die Qualitätssicherung von KI-generierten Dokumenten? Wie wird sichergestellt, dass keine schützenswerten Daten in externe Systeme gelangen?

Hebel 3: Skalierung ohne proportionalen Headcount-Aufbau

Wachstum kostet Geld. Mehr Kunden bedeuten mehr Support, mehr Dokumentation, mehr Koordination. KI bricht diese Proportionalität auf. Kundenanfragen werden automatisch beantwortet. Onboarding-Prozesse laufen ohne manuelle Begleitung. Skalierung wird entkoppelt vom Personalaufwand.

Für den Verwaltungsrat bedeutet das: Die Investitionsrechnung für Wachstum verändert sich fundamental. Wer das nicht einrechnet, plant mit falschen Annahmen.

Der VR-Entscheid: Welche Skalierungs-Engpässe sind heute personalintensiv? Wo liegen die grössten Hebel? Und welche KI-Investitionen rechtfertigen sich bei welchem Wachstumsszenario?

Was diese drei Hebel gemeinsam haben

Sie alle verlangen Entscheide, die nicht auf GL-Ebene getroffen werden können. Tool-Auswahl, Datenzugriff, Budget-Freigabe, Risikoabschätzung: Das ist Governance. Und Governance ist Aufgabe des Verwaltungsrats.

Wer als VR wartet, bis die GL mit einer fertigen KI-Strategie kommt, hat den strategischen Gestaltungsmoment bereits abgegeben.

Die Standortbestimmung liefert für jedes Unternehmen die drei spezifischen KI-Hebel mit geschätztem EBITDA-Beitrag. Keine generischen Empfehlungen. Zahlen, die auf dem tatsächlichen Geschäftsmodell basieren.

Das ist Governance. Und das ist EBITDA.


Quelle:

  • Knight Gianella / Universität St. Gallen / gfs-zürich: VR-KI-Studie 2025/26.

Marco Quinter ist Verwaltungsrat, ehemaliger CBO (CHF 100 Mio. EBITDA) und CIO. Er verankert KI-Strategie und Governance im Schweizer VR-Gremium.

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